Natur-Erlebnistage 2019

Wieder sind wir in der Phase des Jahres angekommen, wo vieles am Abnehmen ist. Die restlichen Tage des Jahres werden rasant weniger, die Temperaturen gehen auch schon mal in den Keller, die Zeit des Tageslichtes minimiert sich immer mehr und das Laub auf den Bäumen wird auch weniger - dafür aber immer bunter. Wie schon die Überschrift andeutet standen auch an diesem Herbst Ferien in Form der Natur-Erlebnistage des Vereinshauses auf dem Programm - ausgerichtet durch die Mitarbeiter des Familien-Kinder-Jugend-Zentrums, in der Zeit vom 14.10. - 17.10.2019.

Wer das Geschehen der letzten Jahre aufmerksam verfolgte, kann sich denken, wie der Montag ablief.
Richtig, der Montag war als Waldtag vorgesehen und so trafen sich 18 Kinder und 3 Betreuer im Kloster St. Marienthal am Dreifaltigkeitsbrunnen um den Tag anzugehen. Zwischen vielen bekannten tauchten auch ein paar neue Gesichter auf. Bei herrlichen Herbstwetter machten wir uns auf, in Richtung Neißetal, um dann nach ca. 400 Metern den Lehrpfad in Angriff zu nehmen. Am ersten Abzweig bogen wir nach rechts in einen Querweg ab, der uns über das ausgetrocknete Bachbett führte, um dann das steilste Stück Weg des Tages hinter uns zu bringen. Nach dem das geschafft war, ging es auf einem kleinen stetig ansteigenden Pfad bis zum Parkplatz auf dem Bergfrieden. Von hier bis zum Ziel war es nicht mehr weit - der Umriss der kleinen Jagdhütte war schon hinter den Apfelbäumen zu sehen.

Schnell wurde die Vollzähligkeit überprüft um dann die anfallenden Aufgaben zu bewältigen. So mußten Tische und Sitzbänke aufgestellt werden, die Feuerstelle wurde vorbereitet, der Grill wurde aufgebaut und Feuerholz mußte gesammelt werden.
Gegen 11:00 Uhr traf Marie-Luise mit den Zutaten für das Mittagessen ein, so daß nun auch an dessen Zubereitung gegangen werden konnte. In der Zwischenzeit bildeten die Kinder Gruppen um im Wald Gegenstände zu suchen, die für den Wald typisch oder untypisch sind. Reich beladen kehrten die Jungen und Mädchen mit ihren Fundstücken aus dem Wald zurück und jeder konnte sich eine kleine Prämie aussuchen. Zum Mittag gab es Nudelsuppe mit viel Hühnerfleisch, die allen vorzüglich schmeckte. Den Nachmittag verbrachte man im Wald beim "Bude bauen", aber auch bei Sport und Spiel. Bälle, Spiele, Slackline ließen keine Langeweile aufkommen. Zwischendurch sorgten frisch gebackene Eierkuchen vom Grill für Abwechselung. Viel zu schnell ging dieser Nachmittag zu Ende, aber 16:00 Uhr erwarteten die Eltern ihre Kinder am Brunnen im Kloster.

Für den Dienstag waren Gruppenaktionen im Vereinshaus geplant. Bei sonnigem, aber windigem Wetter wurden 4 Gruppen gebildet, die an einzelnen Stationen den Vormittag verbrachten, wobei immer wieder gewechselt wurde. Sandra Kristin bereitete mit einer Gruppe das Mittagessen zu - es gab eine leckere Holzfällerpfanne. Silke verzierte in ihrer Gruppe mit den Kindern Teelichtgläser indem Halloweenmotive Verwendung fanden, Marie-Luise ließ die Kinder einen Boccia-Hindernis Parcour absolvieren. Und schließlich gab es noch die vierte Gruppe, welche unter meiner Regie Pop-Corn herstellte.
Im Hinblick auf die trübe Jahreszeit hier kurz das Rezept falls einmal ein Videonachmittag geplant ist. Zubehör: 1 großer Topf mit Glasdeckel, Rührlöffel, 3 Eßlöffel Öl, 3 Eßlöffel Zucker, 3 Eßlöffel Pop-Corn Mais.

Das Öl richtig heiß werden lassen, danach Zucker und Mais hinzugeben, Deckel aufsetzen, sobald der Zucker schmilzt mit dem Rührlöffel umrühren, danach Deckel wieder darauf setzen, wenn die ersten Körner ploppen Temperatur zurückdrehen und den Topf immer wieder schütteln, das Ergebnis in einer großen Schüssel unter stetigem Rühren zum abkühlen bringen, aufteilen, Film einlegen und genießen.
Der Nachmittag verging bei Film und Pop-Corn so schnell, daß fast keine Zeit für die letzte Tagesaktion war. Es gab zum Abschluß noch ein leckeres Schokoladen-Fondue mit Obst. Ein Dank an die Eltern, die nichts dagegen hatten, noch 30 Minuten auf ihre Sprößlinge zu warten.
Der Mittwoch stand ganz im Zeichen des Theaters. Mit dem Bus fuhren wir um 8:30 Uhr nach Bautzen in das deutsch-sorbische Theater. Unser Dank geht hier schon einmal an die Einrichtung von KuBiMobil, die bis auf einen Obolus die Fahrtkosten übernahmen. Pünktlich 9:30 hielt der Bus vor dem Theater. Schnell waren an der Garderobe die Jacken abgegeben, so dass dem Aufsuchen der Sitzplätze nichts mehr im Wege stand. Um 10:00 Uhr verdunkelte sich der Zuschauerraum und so wie sich der Vorhang öffnete, soll hier nun auch verraten werden, welches Stück gezeigt wurde.

Wir waren in der Vorstellung "Der Zauberer der Smaragdenstadt", eine Geschichte nach einer Erzählung von Alexander Wolkow, die wohl fast jeder als Kind gelesen hat. Sollte es wirklich Leser dieses Artikels geben die das Buch nicht kennen, so sei gesagt "Der Zauberer von Oz" diente als Vorlage.
Ja, da waren sie also, die Figuren aus der Kinderzeit, das Mädchen Elli, Scheuch die Vogelscheuche, der eiserne Holzfäller, der feige Löwe, das Hündchen Totoschka und viele andere. Nur durch ihre Kameradschaft untereinander, sowie der Fähigkeit Schwächen des Einzelnen in gemeinschaftliche Stärke umzuwandeln bestanden sie viele Abenteuer.
Die Umsetzung der Geschichte, sowie die Kostüme waren für eine Theatervorstellung hervorragend.
Jetzt noch etwas über die Geschichte zu erzählen hieße wohl "die Eulen nach Athen zu tragen", erwähnt sei nur, daß alle Abenteuer, die man auf der Bühne darstellen konnte, während des Stückes vorkamen. Wer über eine Alternative zum Kino nachdenkt, macht mit dem Besuch dieses Theaterstückes bestimmt keinen Fehler.

Nachdem unsere Helden auf der Bühne ihre Abenteuer bestanden hatten, sahen sie sich donnerndem Applaus ausgesetzt, so dass eine musikalische Zugabe erfolgte, bevor sich der Vorhang für uns zum letzten Mal schloß. Noch unter dem Eindruck des eben Erlebten verließen wir das Theater um in einem nahegelegenen Dönerimbiss unser Mittagessen einzunehmen.
Ja, nun saßen wir also hier im Dönerimbiss und warteten auf das Essen. Die Zeit verrann und erste Stimmen kamen auf, "wo bleibt denn das Essen", als sich die Räumlichkeiten von außen merklich verdunkelten. Langsam öffnete sich die Tür und eine riesige schwarze Kreatur, einem Wolf ähnlich, nur größer als ein ausgewachsenes Kalb, drängte in die Gaststube. Ein kehliges Knurren ließ die anwesenden Gäste verängstigt in ihren Sitznischen Schutz suchen.

Noch grauenerregender war die zweite Gestalt, die sich nach dem Tier in den Gastraum schob. Mußte sie sich noch während des Betretens der Gaststätte beugen, konnte sie sich danach vollends erheben. 250 Zentimeter pure Muskelmasse musterte die anwesenden Gäste. Eine riesige Narbe, von der Stirn über die Nase bis zum Kinn, nur verdeckt durch einen buschigen Bart, zierte das Gesicht des Neuankömmlings. Eine riesige Hellebarde in der einen Hand, ergänzt durch einen langen Strick in der anderen kam er langsam auf uns zu und plötzlich sprach er mit donnernder Stimme: "Ich bin der Türmer vom Lauenturm, ich soll ein gutes Dutzend Kinder abholen, sie sollen Odin geopfert werden." Keiner verschwendete mehr einen Gedanken an das Mittagessen, alle dachten nur noch daran wie ...

... hoppla da sind wohl wieder die Pferde mit mir durchgegangen, also spulen wir die ganze Sache zurück.
Die Eingangstür öffnete sich und herein kam eine schwarze Mischlingshündin, einem Schäferhund in Größe und Gestalt nicht unähnlich. Gefolgt von einem hager wirkenden Mann mittleren Alters und mittlerer Statur. Gekleidet war er wie eine Figur aus dem frühen Mittelalter, ein graues Leinenhemd mit Kordelzug um den Halsauschnitt ergänzten sich mit einer braunen Hose, die dem Schauspielerensemble aus dem Film "Robin Hood - Helden in Strumpfhosen" alle Ehre gemacht hätte. Vervollkommnet wurde das Out Fit durch eine Barettähnliche Kopfbedeckung unter der schütteres schulterlanges Haar hervorquoll. An den Füßen trug er wie im Mittelalter eine modfizierte Form des Schnabelschuhs. Ergänzt wurde sein Aussehen durch ein langes Rinderhorn, dass er in Höhe der Hüfte trug und welches dazu diente bei Gefahr Alarm zu geben. Er stellte sich als der Lauentürmer vor und war der Stadtführer, der uns nach dem Essen die 1000 jährige Stadt Bautzen näher bringen sollte.

So brachen wir also nach dem Mittagessen auf. Der Lauentürmer mit seiner treuen Gefährtin "Odin" an der Leine und wir als sein Gefolge. Wir mußten nicht weit gehen, da standen wir bereits mitten auf der Friedensbrücke und genossen den wohl bekanntesten Anblick der alten Stadt. Eine der schönsten Stadtsilhouetten Sachsens lädt förmlich dazu ein, sich in die Zeit des Mittelalters zurückzuversetzen.
Danach ging es hinunter an das Ufer der Spree, deren Lauf immer wieder von Wehren und Staustufen unterbrochen wird - innerhalb von Bautzen sind 20 Meter Höhenunterschied zu überwinden.
Hier wurde uns an Beispielen erklärt, wie die Stadt im Mittelalter vor Angreifern verteidigt wurde, denn eine Friedensbrücke gab es noch nicht, so dass die Angriffe immer auf Spreehöhe erfolgten. Dann ging es weiter zum Hexenhaus, welches nach einer Sage das einzige Haus war, daß den 30 jährigen Krieg weitgehend unbeschadet überstanden hat. Von da ging es zur Michaeliskirche, die erbaut wurde, weil der Erzengel Michael den Bautzener Bürgern während der Verteidigung ihrer Stadt an dieser Stelle erschienen sein soll. Etwas weiter zur Spree hin steht die alte Wasserkunst, ein Bauwerk, was dazu bestimmt war, die Stadt im Mittelalter mit Wasser zu versorgen, was aber nach der Fertigstellung erst einmal nicht möglich war, da sich laut Sage, eine riesige fette Kröte in der Zuleitung eingenistet hatte.

Weiter ging es zur kleinen Pforte im Matthiasturm der Ortenburg, hier sieht man in einer kleinen Nische in Höhe von ca. 10 Metern zwei Steinköpfe. Sie stellen ein Denkmal dar, was an ein Liebespaar erinnert (Romeo und Julia von Bautzen) deren gegenseitige Liebe anderen ein Dorn im Auge war. Trotz daraufhin erfolgter Trennung über eine große Entfernung fanden beide wieder zueinander. Die Strafe konnte nicht grausam genug sein, so daß beide bei lebendigem Leibe eingemauert wurden.
Letzter Anlaufpunkt unserer Stadtführung war der St. Petri Dom auf dem Fleischmarkt. Hier erfuhren wir noch etwas von der wandelnden Leiche um Mitternacht, die vor ein paar Jahrhunderten auf dem damaligen Gottesacker ihr Unwesen trieb.
Mit dieser Geschichte neigte sich die Stadtführung dem Ende, wobei gesagt werden muß, es war nicht so grausam wie es sich vielleicht liest. Eine Führung mit dem Lauentürmer ist absolut empfehlenswert.
Erste Regentropfen mahnten uns zum Aufbruch und da der Bus bereits wartete, stand der Heimfahrt nichts entgegen. Ein wunderschöner Ferientag, der hoffentlich noch lange in den Köpfen der Teilnehmer präsent ist, ging damit zu Ende.

Der Donnerstag war der letzte Tag dieser Ferienaktion und wir hatten uns noch einmal viel vorgenommen. Bereits 8:30 Uhr starteten wir mit Unterstützung einiger Eltern vom Markt nach Zittau.
Pünktlich angekommen, konnte der für uns reservierte Waggon der Schmalspurbahn bestiegen werden, um die Fahrt nach Jonsdorf anzutreten. Nach dem Umstieg in Bertzdorf waren es noch zwei Stationen mit der Bimmelbahn bis wir den Endbahnhof erreichten. Das zu bewältigende Pensum war enorm, Besteigung des Nonnenfelsen, Wanderung nach Waltersdorf, Aufstieg zur Lausche, Abstieg auf tschechischer Seite, Besuch des Lauschemoores und Rückmarsch nach Jonsdorf, vorbei am Falkenstein und den Mühlsteinbrüchen.
Nach der Ankunft ging es direkt in das Zentrum des Kurortes um den Aufstieg zum Nonnenfelsen anzugehen.

Waldwege führten uns bis zu einer Treppe - ausgestattet mit unförmigen Stufen - die uns bis auf die Spitze des Nonnenfelsens brachte. Die Belohnung, ein phänomenaler Rundblick zu den umliegenden Berggipfeln aber auch in das nördlich gelegene Tiefland, war nur getrübt durch die starken Windböen.
Nach dem Abstieg ging es an die Inspektion der mitgebrachten Proviantbeutel. Obst, Gemüse, Brötchen, Käse, Würstchen und die eine oder andere Süssigkeit luden zu einer ausgiebigen Frühstückspause ein.
Frisch gestärkt ging es an den Abstieg durch die Felsengasse um dann den nächsten Anstieg zum Hohlsteinweg zu bewältigen. Dabei ging es vorbei am Mönchslochwächter - einem impossanten Felsen - der jeden Moment umstürzen könnte, so dass Gefühl beim Blick aus unterschiedlichen Perspektiven.
Dem Hohlsteinweg folgten wir bis zur Rübezahlbaude in Waltersdorf unmittelbar am Fuß der Lausche.

Die Köpfe mußten noch ziemlich weit gehoben werden um den Gipfel zu sehen. Da bereits ca. 6 km in den Beinen steckten, war ein Aufstieg in Verbindung mit dem Restprogramm nicht mehr möglich. So wurde demokratisch abgestimmt und wir entschieden uns in der Mehrzahl gegen den Aufstieg.
Sollte es irgendwann einmal möglich sein, die Gemeinde Waltersdorf in der Ferienzeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Besucherfreundlichen Zeiten, zu erreichen, kann diese Aktion nachgeholt werden.
So ging es denn ohne Umschweife in Richtung Lauschemoor, dachten wir. Leider ist der Weg auf tschechischer Seite nicht ganz optimal ausgeschildert, so entschieden wir uns für einen Weg von vielen, der in die Richtung führte. Der Weg war auch gut zu laufen, zumal links und rechts des Weges immer wieder Maronen standen, als der Weg aber seinen Charakter änderte und immer schmaler wurde, kamen wir in´s grübeln. Endgültig klar wurde uns der Irrtum, als große Steinpilze mitten auf dem Weg standen. Zum Glück kamen zwei Wanderer des Weges, die uns wieder auf den rechten Pfad brachten.
So konnte die Umrundung des Lauschemoores doch noch erfolgen, bevor der Rückweg nach Jonsdorf angetreten wurde. In Jonsdorf wieder angekommen, ging es noch zum Eisessen an der Gondelfahrt. Diejenigen denen das Eis noch nicht genügend Abkühlung gebracht hatte, wateten durch das Wasserbecken der Kneipp-Anlage. Von hier aus ging es dann zurück zum Bahnhof um mit der Bimmelbahn die Heimfahrt anzutreten.

17:20 Uhr endeten die Natur-Erlebnistage 2019, und ich glaube es waren für alle Teilnehmer 4 schöne Tage.
Der Artikel soll nicht zu Ende gehen, ohne an die Personen zu denken und zu danken die maßgeblich am Erfolg dieser Aktion beigetragen haben. Ohne eine Wertigkeit vorzugeben seien hier genannt, das Kollektiv des Vereinshaus Ostritz, die Eltern bzw. Angehörigen der teilnehmenden Kinder für ihre Bereitschaft uns nach Zittau zu fahren, Förster Jansen für die Bereitstellung der Forsthütte, dem Ensemble des deutsch-sorbischen Theaters für eine wunderschöne Vorstellung, aber auch bei der Organisation der Reisemöglichkeit mit KuBiMobil, Andreas Thronicker alias der Lauentürmer (Stadtführer) für eine tolle Stadtführung mit schauspielerischen Elementen, seiner Hündin Odin, die auf wunderbare Weise mit ihrem Herrchen interagierte und dem Wanderpaar, welches uns den rechten Weg zum Lauschemoor wies. Danke!!!