Ein Kleinod entsteht - Verschönerung des Hofes vom Vereinshaus

Heute möchten wir den interessierten Leser an einem Projekt teilhaben lassen, dessen Planung bereits im vergangenen Jahr begann und im September diesen Jahres seinen Abschluss fand. Ehe wir dem Kind einen Namen geben, lassen Sie mich mit ein paar Zeilen die Vorgeschichte zum besseren Verständnis erläutern. Ich gehe einmal davon aus, dass für viele Leser das Kochen mit frischen Kräutern noch kein “Buch mit sieben Siegeln” ist. Auch bei unseren monatlichen Kochkursen mit den Kindern im Vereinshaus finden diese Vitaminbomben regen Zuspruch. Glücklich sollte sich derjenige schätzen, der so etwas im eigenen Garten anbauen kann oder eine andere Möglichkeit hat, sich selbst mit frischen Kräutern zu versorgen.

Unsere Quelle war der nahegelegene Supermarkt, wo die Kräuter in kleinen Töpfen angeboten wurden. Vom Aroma konnte man bei diesen Pflanzen nicht viel erwarten, aber zumindest waren sie schön grün und somit ein Hingucker bei jeder damit zubereiteten Speise. Wer einmal an einem Rosmarin aus dem Supermarkt geschnuppert hat, weis erst was ihm entgeht, wenn er das Bouqet wahrnimmt, nachdem er mit der Hand durch eine Rosmarinpflanze alten Ursprungs gefahren ist.
Ein weiterer Negativpunkt ist die Weiterverwendung der Pflanzen. Auch wir hatten mehrmals Gelegenheit dem langsamen Tod auf Raten, trotz bester Bedingungen, beizuwohnen.
Also war es an der Zeit, sich einmal Gedanken zu machen, wie es diesbezüglich weitergehen sollte.

Anfangs realistisch in Form mehrerer Blumentöpfe mit ausgesäten Kräutern, gingen die Gedanken bis hin zu einer Kräuterspirale die aber schnell als Phantasterei bzw. Spinnerei ad acta abgelegt wurden. Ergänzt wurden diese Gedankengänge durch Vorschläge, wie das Anlegen von einem Kräuterbeet oder der Bau eines Hochbeetes.
Komplett in´s Stocken geriet die Planung als der kleine Hof des Vereinshauses wegen eines barrierefreien Zuganges umgebaut wurde. Nach dem Umbau war eine Nutzung des Hofes wie im vorherigen Zustand nicht mehr möglich. Im darauf folgenden Winter wurden die Planungen intensiviert, der Bau eines Hochbeetes in´s Auge gefaßt, am Ende aber wegen der finanziellen Belastung wieder verworfen. Bilder im Internet und die Bereitschaft alles in Eigenleistung durchzuführen, waren schließlich ausschlaggebend für die Planung und den anschließenden Bau einer Kräuterspirale.

Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres wurden jedoch erst einmal genutzt, um einige Holzbänke aufzuarbeiten, die nun eingerahmt zwischen herrlichen Hibiskussträuchern während der Sommermonate zum verweilen und betrachten des Markttreibens einladen. Im Anschluß wurde noch eine Sitzfläche im Hof erneuert um alsdann mit dem nachfolgendem Projekt zu beginnen.
Tja, mit dem Entschluß zum Bau einer Kräuterspirale hatte das Kind nun also auch seinen Namen. Das Ziel vor Augen, mußte als erstes daran gegangen werden, Stellfläche im Hof zurück zu gewinnen. Ein kleines Zierbeet mit der Größe von ca. zwei Quadratmetern mußte zu diesem Zweck gepflastert werden. Schnell war der Erdaushub vollzogen, der Randbeton des einfassenden Fundamentes weggestemmt, als es auch schon daran ging, den Sand in die Grube einzufüllen.

An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei zwei Menschen bedanken – Frank Kretschmer und Volkmar Prange – die uns während der ganzen Bauzeit mit Material, Werkzeug, guten Ratschlägen aber auch durch ihre tatkräftige Mitwirkung unterstützt haben.
Was dann folgte kann man getrost als “Puzzlespiel für Erwachsene” bezeichnen. Gemeint ist das Setzen der Pflastersteine, unter Berücksichtigung den Fugenabstand der unregelmäßig behauenen Steine nicht zu groß werden zu lassen, um somit am Ende einen festen Sitz der Steine zu erreichen. Eine zeitaufwändige und schmerzhafte Arbeit (Knie & Rücken) lag vor uns. Als der letzte Stein gesetzt war, machte sich ein Gefühl von Zufriedenheit breit bevor …
… ja bevor! Bevor uns der erste Rückschlag einholte. Was war geschehen? Mangelnde Erfahrung im Tiefbau ließen uns zu blauäugig an das Werk gehen.

Im Glauben die richtige Höhe für das Setzen der Pflastersteinen gefunden zu haben, mußten wir uns eines Besseren belehren lassen, nachdem die Rüttelplatte es nicht schaffte, die von uns gesetzten Steine auf das Niveau der bereits vorhandenen zu senken.
Obwohl wir diese Möglichkeit im Vorfeld mit in Betracht gezogen hatten, machte sich Enttäuschung breit. Kurzentschlossen wurden die ersten Steine wieder herausgehebelt, um dann den aufgefüllten Sand in der Grube zu reduzieren und mit dem Setzen der Steine von Neuem zu beginnen – vielleicht noch ein bißchen schmerzvoller.
Nach dem abrütteln der Steine zeigte sich ein respektables Ergebnis, mit dem Alle zufrieden waren und uns zuversichtlich an die weiteren Aufgaben gehen ließ.

Was waren die weiteren Aufgaben? - Nun, zum einen der Bau der Kräuterspirale, aber andererseits mußte auch der laufende Betrieb des Vereinshauses am Leben gehalten werden (Organisation & Durchführung der Vereinshaus-Ferienwoche, Senioren-Gartenfest, Ostritz spielt … usw., siehe Berichte im Stadtanzeiger).
So kam es immer wieder zu Verzögerungen beim Bau. Aber ehe es mit dem eigentlichen Bau losgehen konnte, stand erst einmal die Frage nach dem Material. Mittlerweile geübt im Umgang mit Pflastersteinen, standen diese weit oben auf unserer Favoritenliste. Aber immer wieder tauchten bei der Betrachtung von Bildern herrliche Natursteinmauern auf, welche Begehrlichkeiten weckten. Gleichzeitig wurden im Innersten Bilder aus der Kindheit freigesetzt, wo an Feldwegen immer wieder Steinhaufen abgelagert waren – abgesammelt nach dem Pflügen – die ja eigentlich auch heute noch dasein müßten.

Kurzentschlossen wurden die umliegenden Feldwege abgefahren, um uns unseren zweiten Rückschlag abzuholen.
Die Steinhaufen, welche eben noch im Kopf präsent waren, gab es nicht mehr, so das Pflastersteine wieder in unserer Gunst stiegen. Ausgerüstet mit dem Schlüssel zum Materiallagerplatz des Bauhofes Ostritz und der Befugnis, Steine nach unseren Bedürfnissen auszuwählen, machten wir uns auf den Weg. Die Auswahl an Steinen war groß. Blaue Steine aus Basalt, graue Steine aus Granit und viele andere Sorten ließen die Spirale visuell vor unseren Augen entstehen. Relativ schnell wären die passenden Steine gefunden, wenn nicht in der Mitte des Platzes ein Haufen Dreck lagerte, der unser Interesse weckte. Zum Teil schon zugewachsen, schauten an manchen Ecken Steine – ja, richtige Feldsteine – heraus, die unseren Ansprüchen genügen sollten. Als wir feststellten, dass es sich nicht nur um ein paar einzelne Exemplare handelte, stand für uns fest, aus welchen Steinen die Kräuterspirale entstehen sollte. Stunden vergingen bis die erforderliche Menge aus dem Haufen geborgen waren. Schnell wurden im örtlichen Baumarkt noch ein paar Sack Beton-Fertigmischung gekauft und dann konnte es losgehen.
Mit einem Seil wurde der Verlauf der Mauer vorgelegt, um danach mit dem Setzen der ersten Reihe zu beginnen. Durch zwei Rückschläge gewarnt, wurde erst einmal nicht verraten, was im Hof entstehen sollte. Erste Neugierige gaben sich mit der Erklärung zufrieden, dass es sich hierbei stückweise um den Nachbau der Nazca Linien in Peru handelt. Als sich aber die Mauer immer mehr dreidimensional in Richtung Himmel erhob, mußte eine neue Begründung gefunden werden. Aber auch die war schnell gefunden, indem jetzt die Rede von einem Labyrinth für Goldfische war.
So strebte das Bauwerk mit maximal einer Schicht Steine pro Tag seiner Endfertigung entgegen. Die Krone dauerte noch etwas länger, da hier jeder Stein passen mußte. Mit dem Resultat zufrieden, ging es an das Verschmieren der später sichtbaren Fugen. Mit der Fertigstellung konnten nun auch die letzten Fragesteller nicht mehr hinter das Licht geführt werden, zumal zeitnah die Befüllung mit Erde begann.
Die Bepflanzung sollte eigentlich erst im nächsten Frühjahr erfolgen, aber spontan ergab sich die Möglichkeit, Kräuter zu erwerben, für die es von Vorteil ist, im Herbst gepflanzt zu werden. So haben die Pflanzen genug Zeit um sich an die Bedingungen anzupassen und sind bereits im Frühjahr nutzbar. Ergänzt wurden die erworbenen Kräuter durch Spenden privater Hobbygärtner, so dass die Kräuterspirale schon fast voll besetzt ist.
In der Hoffnung das recht viele Pflanzen den kommenden Winter überleben, macht sich bei uns ein Gefühl der Genugtuung breit, der Natur wieder etwas zurückgegeben zu haben. Es sind nicht nur die Kräuter, welche in der Küche ihren Zweck erfüllen, die uns mit ihrem Duft und ihrem Aroma verzücken. Nein, nehmen Sie sich einmal die Zeit, setzen sich bei herrlichen Sonnenschein und warmen Temperaturen neben ein Kräuterbeet oder eine Kräuterspirale und beobachten Sie das rege Treiben der Käfer, Insekten, Schmetterlinge, Bienen usw.
Und manchmal, aber nur manchmal, wenn das Brummen und Summen zu laut wird, dann können sie es vielleicht hören. Das kleine Wort “Danke”, erzeugt durch das Geräusch tausendfachen Flügelschlag´s der kleinen Gäste, welches zu Ihnen herüberweht.